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Den St. Lawrence entlang zu den Walen

Der St. Lawrence, der einstige Weg der Entdecker ins Herz des Kontinents, ist der Schicksalsstrom Kanadas. Östlich von Québec City wird der Strom zur Meeresbucht - mit herben, nordischen Felsufern und pittoresken Leuchttürmen. Und das kalte, salzige Wasser bietet seit Urzeiten Lebensraum für Wale. 3 - 5 Tage genügen für eine sommerliche Schnuppertour ab Québec City - eine Tour zu Wasser und zu Lande.

»Wal, Wal - da bläst er!« Der Ruf von Kapitän Gilles bringt auch die letzten Passagiere aus der Kabine des Sightseeingschiffs heraus an die Reling - und an die kalte Brise, die von der Mündung des Saguenay her über den Strom streicht. Alles drängt sich auf der Backbordseite: Tatsächlich, etwa 300 m vom Schiff tauchen die massigen Rücken von zwei Blauwalen aus den dunklen Fluten des St. Lawrence empor. Man kann sogar das laute Prusten hören, wenn aus dem Atemloch der Meeressäuger die Luft entweicht. Ein Gefühl der Erhabenheit, die größten Tiere der Erde in ihrem natürlichen Element zu erleben. Bis zu 30 m lang kann ein Blauwal werden und bis zu 140 t schwer. Ohne Scheu ziehen sie ihres Wegs und hinterlassen bei den Zuschauern ein seltsam friedliches, meditatives Gefühl.

Blauwale sind die größten, aber auch die seltensten Wale im St. Lawrence. Weit häufiger - und im Sommer fast ständig zu beobachten - sind Gruppen von bis zu 20 m langen atlantischen Buckel- und Finnwalen sowie Belugas, jene schneeweißen arktischen Kleinwale, von denen mehrere hundert das ganze Jahr über im Strom leben. Alle übrigen Walarten ziehen nur zwischen Juni und September vom Nordatlantik her in den St. Lawrence, um an der Mündung des Saguenay - Fjords das reiche Nahrungsangebot an Krill und kleineren Fischen zu nutzen.

Schon um 1550 - ein halbes Jahrhundert vor der Besiedlung Kanadas durch die Franzosen - entdeckten baskische Fischer diese Sommergründe der Wale. Sie und spätere Waljäger dezimierten die Bestände fast bis zur Ausrottung. Erst in den letzten 40 Jahren hat die Zahl der Meeressäuger dank strikter Schutzmaßnahmen wieder zugenommen - und glücklicherweise sind die heutigen Waljäger nur noch mit Kameras bewaffnet.

Die besten Beobachtungspunkte liegen am Nordufer des St. Lawrence: Am Pointe - Noir bei Baie Ste - Cathérine, um die Mündung des Flusses Saguenay und am Cap - de - Bon - Désir bei Grandes Bergeronnes können Sie die Tiere oft bereits von Land aus sehen. Infozentren mit Ausstellungen erläutern in Baie Ste - Cathérine und in Tadoussac die Lebensweise der Wale und ihre Wanderungen. Von diesen Orten aus starten auch die halbtägigen Bootstouren zur Walbeobachtung, etwa mit Croisières AML (Tel. 418 / 237 - 42 72) oder mit Croisières Express (Tel. 418 / 235 - 47 70).

Den Besuch bei den Walen können Sie gut als Kurztour von Québec City aus oder als Teil einer längeren Rundfahrt durch Ostkanada planen. Von der Stadt am Cap Diamant aus geht es erst entlang der Côte de Beaupré nach Nordosten auf der Route 360 / 138. Von Baie - Saint - Paul, einem netten Künstlerort mit zahlreichen Galerien, empfiehlt sich ein Abstecher zum Wandern ins bergige Binnenland: zum Parc des Grand - Jardins.

Bei der Weiterfahrt nach Norden klettert die Route 362 über die Hügel am rauen Nordufer des St. Lawrence zu herrlichen Aussichtspunkten über den Strom. Schön als Abwechslung: ein Bootsausflug zur
»Haselnussinsel«, der Île aux Coudres, mit ihren verträumten Dörfern und alten Windmühlen. Ab La Malbaie beginnt das Revier der Wale, die von hier nordwärts oft schon vom Ufer aus zu beobachten sind - noch besser und mit wissenschaftlicher Erläuterung aber auf einer der Bootstouren.

Von der Mündung des Flusses Saguenay aus können Sie in einer Tagesfahrt nach Québec City zurückkehren oder mit einer der zahlreichen Fähren ans Südufer des St. Lawrence übersetzen und auf die reizvolle Gaspé - Halbinsel weiterfahren.

vgl. http://www.marcopolo.de